Fasnacht in Eckartsweier

„55 Johr Fasnacht in Eggertswier“ hieß es 2011, obwohl die Fasnacht schon vor dem 2. Weltkrieg gefeiert wurde. Das beweisen die beiden u.a. Fotos, die von der Kappesitzung im früheren Gasthaus Schwanen stammen. Zu sehen sind auch zwei Bilder von Hindenburg und Hitler, die an der Wand hängen. Möglicherweise stammen die Aufnahmen aus dem Jahr 1936 oder 1937. Die typischen Kopfbedeckungen bei diesen Kappesitzungen waren Hütchen aus Papier.

1 Johann König, 2 Georg Lutz „Schmittschorsch“, 3 Georg Hetzel „Beggeschorsch“
4 Georg Hörter „Präsident“, 5 Johann Göpper, 6 Michael Fuhri, 7 Michael Lutz „Käs-Lutz“
8 Herrmann Baas, 9 Hans Walter „Sattler-Hans“, 10 Emil Hetzel „Kronenwirt“,
11 Karl Kimmer „Schmied“, 12 Hans Walter, 13 Wilhelm Mehne, 14 Karl Zipse

1 Hans Walter „Sattler-Hans“, 2 Karl Zipse, 3 Georg Hetzel „Beggeschorsch“, 4 Hans Hörter,
5 Fuhri, 6 Wilhelm Hörter „Schwanenwirt“, 7 Elisabeth Hörter „Schwanenwirtin“

Der Schwanensaal war im oberen Stock des linken Gebäudes.
Unten im Nebenzimmer war das Probelokal des Männergesangvereins.
Das gesamte Anwesen wurde durch Artilleriebeschuss Ende 1944
vollständig zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Die Fasnacht in Eckartsweier erlebte während des Krieges einen Stillstand und erwachte danach nur sehr langsam. 1949 wurde im neuerbauten Saal des Gasthaus Krone der 1. Maskenball veranstaltet. In den 50er Jahren fanden dann jeweils im Kronensaal und im Saal über dem Gastraum des ehemaligen Gasthauses Blume Maskenbälle statt, die vom Männergesang-, Turn- und vor allem vom Sportverein veranstaltet wurden. Die schönsten Kostüme wurden jeweils von einer Jury bewertet und mit Preisen belohnt. Es gab dabei oft heftige Diskussionen wegen der Entscheidung der Jury.

Kurt Baaß und Bruder Adolf Baaß, die Hausmusik
vor der alten Spieluhr im Gasthaus Linde (Bild1).

Der Lindenwirt Eugen in musikalischer Aktion (Bild2).

Lustige Gesellen in der Kuhstallbar im Gasthaus Linde.

Bereits kurz nach dem Krieg regte sich wieder das Fasnachtsleben in Eckartsweier.
Das Foto (Bild1) von 1948 wurde beim Umzug aufgenommen. Das Thema war:
"Uf de schwäbschen Eisenbahne". Die Zugmaschine war ein alter Holzvergaser.
Drei Anhänger hintereinander bildeten die Eisenbahn.

Kurt Baaß und Wilhelm Beik waren Narren, die es störte, dass in Eckartsweier wenig los war, als in einigen anderen Orten des Hanauerlandes. Mit viel Energie schafften Sie es schon 1950 einen Umzug durchs Dorf zu organisieren. Bald wurden die Preismaskenbälle mit Programm ersetzt. Dabei unterstützten die Narrhalla Nelram mit Präsident LUKU und das Schwobemädel Juliane Dvorak.
Von Jahr zu Jahr wurden die närrischen Tage lebendiger.

1952 stellte der Sportverein eine Fußballmannschaft aus Indien dar (Bild2). Als Fahrzeug wurde
die alte fahrbare Holzsäge vom "Holzsäger-Hans" benutzt.

Stolz präsentiert sich die indische Fußballmannschaft vor dem Gasthaus "Blume" (Bild3).

Da es nach dem Krieg an Fasnachtskostümierung mangelte, nahm
man in alten Wehrmachtsuniformen am Umzug teil (Bild4).

Im Jahr 1956 suchten sich Kurt Baaß und Wilhelm Beik ein paar junge Burschen, die genau lustig und närrisch waren. Diese „dichtellten“ über wahre und lustige Begebenheiten, welche übers Jahr passiert waren, ihre Verse. Diese wurden Fasnachtsdienstags auf verschiedenen Fasnachtswagen vorgetragen beziehungsweise die Begebenheiten aus dem Dorfleben nachgestellt. Natürlich herrschte bei den Betroffenen darüber nicht immer nur Freude. Jeder Dorfbewohner bemühte sich so sittsam, anständig und unauffällig zu sein, dass es keinen Anlass für diese Fasnachtwagen gab. Und so entstand der Spruch: „Gibb bloß aacht, sunscht wursch an Fasnacht gschbielt“.
Damit diese Ereignisse nicht so schnell in Vergessenheit geraten konnten, wurden diese zusätzlich in einem „Narrenblättl“ festgehalten. Das stets mit Spannung erwartete Blättl verkaufte man damals zum Stückpreis von 20 Pfennig. Mit dem Erlös wurden die entstandenen Unkosten gedeckt, ein etwaiger Restbetrag wurde zur notwendigen Durstlöschung beim anschließenden Eieressen verwendet.
Da in jenem Jahr 1956 sich zum ersten Mal eine Gruppe zusammentat, um die Eggertswierer Fasnacht zu organisieren und gemeinsam zu gestalten, wurde dies als Gründungsjahr des jetzigen Narrenrates festgelegt.

Der Elferrat 1954 vor dem ehemaligen Gasthaus Blume. Präsident Kurt Baaß (de Linde-Kurt) verliest das
Narrenblättl und Willi Hetzel (de Begge-Willi) macht Musik. Als erste Uniform wurde ein schwarzer Gehrock
getragen, den man mit Goldborten verzierte. Die Kopfbedeckung war ein Strohhütchen, welches später
ein Schiffchen aus Schaumgummi ersetzte. Kurt Baaß und Wilhelm Beik tragen bereits eine Narrenkappe.

Präsident Kurt Baaß singt mit dem Elferrat am Fasnachtsdienstag
die gedichtelten Verse auf einem Fasnachtswagen (Bild1).

Ende der 50er Jahre wurden die Preismaskenbälle aufgegeben. Im Gasthaus Krone fanden Maskenbälle statt, bei denen von fasnachtsbegeisterten  Einwohnern bereits einzelne Programmpunkte aufgeführt wurden. Daraus entwickelten sich nach Gründung des Elferrats die Prunksitzungen, welche immer mehr begeistertes Publikum anlockten.
In der Kampagne 1966 hängte Kurt Baaß im damaligen Gasthaus Ochsen in Hohnhurst die Präsidentenkette seinem Nachfolger Willi Hetzel um und dieser führte die Geschickte der Narren weiter an.

Am Umzug in Kehl 1966 spielt der Elferrat "Elf auf einem Stamm". Präsident Willi Hetzel und seine Aktiven
tragen nun ihre 2. einheitliche Kleidung: einen roten Umhang, eine närrische Fliege und eine echte Narrenkappe (Bild2).

Die Prunksitzung erhielt immer mehr Zuspruch und somit musste bereits 1975 diese wiederholt werden. Rechtzeitig kam die Fertigstellung der Mehrzweckhalle im Jahr 1980, die fortan als Austragungsort beider Prunksitzungen dienen sollte.
Nachdem nun auch der Elferrat immer größer wurde und nun aus den Abteilungen Elferrat, Prinzengarde und Wölfe bestand, wurde 1976 „Narrenrat Eckartsweier e.V“. in das Vereinsregister eingetragen. Im selben Jahr wurde aufgrund der Eingemeindung von Eckartsweier zu Willstätt der Eggertswierer Narrenruf „Wolfram Helau“ den Umständen entsprechend in „Wolfstätt Helau“ umgewandelt.
Der Verein trat 1989 den Ortenauer Narrenbund und dem Bund Deutscher Karneval bei.
Willi Hetzel legte 1992 nach 26 Jahren sein Amt als Präsident nieder und gab das Zepter und die Schelle an Edgar Reuter weiter und dieser führt den Verein bis heute an.

Kurt Baaß
1. Präsident
des Elferrates
1956 - 1966

Willi Hetzel
2. Präsident
des Elferrates
1966 - 1992

Edgar Reuter
3. Präsident
des Elferrates
1992 - heute